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KnochengesundheitOsteoprotektion: Integraler Bestandteil der onkologischen Versorgung

30.07.2026Ausgabe 3/20263min. Lesedauer

Die Knochengesundheit kann bei Krebspatienten auf unterschiedliche Weise beeinträchtigt sein: durch einen eigenständigen Primärtumor, durch ossäre Metastasen und durch eine Tumortherapie-induzierte Osteoporose. Für eine wirksame Osteoprotektion als Bestandteil eines onkologischen Gesamtkonzepts sind medizinische, chirurgische und strahlentherapeutische Optionen verfügbar.

Ossäre Manifestationen und Komplikationen

Primäre maligne Knochentumoren wie das Osteosarkom, Chondrosarkom oder Ewing-Sarkom sind selten und machen nur etwa 0,2% aller bösartigen Tumoren des Menschen aus [1]. Formal ebenfalls zu den primär bösartigen Knochentumoren wird das Multiple Myelom (MM) gezählt.

Sekundäre Knochentumoren oder Knochenmetastasen kommen bei Menschen mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen häufig vor. Nach Leber und Lunge ist der Knochen die dritthäufigste Metastasierungslokalisation solider Tumoren. Grundsätzlich kann sich jede Tumorentität auf die Knochen ausbreiten. Besonders oft ist dies bei einem Primarius der Mamma, Prostata, Lunge, Nieren oder infolge eines MMs der Fall [2, 3].

Neben diesen ossären Manifestationen der Tumorerkrankungen sind für die Knochengesundheit außerdem ossäre Komplikationen der Tumortherapie selbst relevant, insbesondere die Tumortherapie-induzierte Osteoporose (CTIBL – Cancer Treatment-Induced Bone Loss) [2].

Langzeitnebenwirkung CTIBL

Ossäre Manifestationen können eine Reihe von klinischen Problemen hervorrufen, die als skelettbezogene Ereignisse (skeletal related events – SREs) zusammengefasst werden: pathologische Fakturen, spinales Kompressionssyndrom, tumorinduzierte Hyperkalzämie sowie Bedarf für Bestrahlung oder chirurgische Maßnahmen. SREs führen oft zu starken Schmerzen und vermindern die Lebensqualität der Betroffenen erheblich [2]. Ebenso kann eine CTIBL die Lebensqualität anhaltend beeinträchtigen und die Morbidität und Mortalität deutlich erhöhen [3].

Therapiebedingt als Langzeitnebenwirkung induziert wird die Osteoporose durch die antihormonelle Behandlung beim Mamma- und Prostatakarzinom, durch Zytostatika, die einen Hypogonadismus begünstigen und durch eine hochdosierte Glukokortikoidtherapie [4].

Knochenschutz & -stabilisierung

Ossäre Metastasen und die CTIBL erfordern ein interdisziplinäres Management, sind aber grundsätzlich gut behandelbar. Die osteoprotektive Strategie muss auf Frakturprophylaxe, Schmerzreduktion und Vermeidung von SREs abzielen. Behandlungsstandard ist eine Therapie mit Antiresorptiva. Bisphosphonate wie Zoledronsäure (i. v.) hemmen die Osteoklastenaktivität und reduzieren SREs bei Menschen mit soliden Tumoren und MM. Der RANKL (Receptor Activator of NF-Kappa-Beta-Ligand)-Inhibitor Denosumab (s. c.) ist in der SRE-Prävention mindestens gleichwertig und ruft weniger renale Komplikationen hervor [5]. Ergänzend zur Gabe dieser Osteoprotektiva ist eine Supplementation mit Kalzium und Vitamin D obligat [2].

2025 wurden für den RANKL-Inhibitor Denosumab in der Europäischen Union mehrere Biosimilars zugelassen [6].

Chirurgie und Strahlentherapie

Zur Schmerzreduktion und lokalen Tumorkontrolle bei Knochenmetastasen ist die perkutane Radiotherapie effektiv, Einzeit- oder fraktionierte Schemata sind etabliert. Eine stereotaktische Körperbestrahlung erlaubt in der oligometastatischen Situation eine hohe lokale Kontrolle. Radionuklidtherapien können – z. B. bei osteoblastischen Metastasen – systemisch schmerzlindernd wirken.

Interventionelle Verfahren wie prophylaktische Osteosynthesen, Mark-nagelung oder Endoprothetik, die mit dem Ziel der Stabilisierung, Schmerzreduktion und raschen Mobilisierung zum Einsatz kommen, sind bei pathologischen Frakturen oder hoher Frakturgefahr indiziert [2].

Quellen
  • [1] Hosseini H et al. Bone tumors: a systematic review of prevalence, risk determinants, and survival patterns. BMC Cancer 2025; 25(1): 321. doi.org/10.1186/s12885-025-13720-0
  • [2] S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen. Version 2.0, April 2025. iww.de/s15211
  • [3] Die Knochengesundheit bei Krebs. Eine ESMO-Patientenleitlinie. iww.de/s15212
  • [4] Diel IJ, Prävention und Behandlung der tumor- und tumortherapie-induzierten Osteoporose. Onkologie 2026; 32(2): 200–206. doi.org/10.1007/s00761-025-01884-0
  • [5] Hageman K et al. The role of denosumab for prevention of skeletal-related complications in multiple myeloma. Ann Pharmacother 2013; 47:1069-1074. doi.org/10.1345/aph.1R776
  • [6] Übersicht über in der EU zugelassene Biosimilars. iww.de/s15213

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